Mittwoch, 14.01.2026

Rüsselsheim kündigt Pilot mit Klassenassistenzen an und weist Sparvorwurf zurück

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Die Stadt Rüsselsheim am Main hat eine Stellungnahme zu einem Zeitungsartikel vom 27. November 2025 in der Main Spitze veröffentlicht und widerspricht der Darstellung, die geplanten Änderungen bei Teilhabeassistenzen dienten vornehmlich der Kostenreduzierung. Stattdessen kündigt die Verwaltung ein Pilotprojekt mit sogenannten Klassenassistenzen an. Dieses soll sicherstellen, dass bereits ab dem ersten Schultag eine ergänzende Betreuung in den Klassen vorhanden ist, während individuelle Teilhabeassistenzen weiterhin beantragt werden können.

Hintergrund der Diskussion

Nach dem bisherigen Modell erhalten Schülerinnen und Schüler mit entsprechender Diagnose nach Antragstellung und Feststellung eines Bildungsbedarfs eine Teilhabeassistenz, die sie im Schulalltag unterstützt. Bis zur Bewilligung besteht diese Unterstützung häufig nicht, was den Schulstart verzögern kann. Zudem führt die individuelle Zuweisung dazu, dass in Klassen mit mehreren anspruchsberechtigten Kindern mehrere Assistenzkräfte parallel eingesetzt sind. Die Stadt nennt als weitere Kritikpunkte organisatorische Probleme im Schulalltag und mögliche Stigmatisierung der betreuten Kinder.

Konzept der Klassenassistenzen und erwartete Effekte

Das neue Modell sieht vor, jede Klasse grundsätzlich mit einer Klassenassistenz zu besetzen. Ziel ist, allen Kindern unabhängig von einem individuellen Antrag von Beginn an eine Grundbetreuung zu bieten und so Chancengerechtigkeit zu erhöhen. Die Stadt betont, dass durch diese Struktur Lehrkräfte entlastet werden, weil in jeder Klasse mindestens eine feste Ansprechperson zur Unterstützung im Unterricht vorhanden ist.

Als Argument für die Umstellung verweist die Verwaltung auf ähnliche Projekte in anderen Kommunen, die laut Rüsselsheim das Lernumfeld verbessert und strukturelle Vorteile gegenüber der rein individuellen Assistenz gezeigt hätten. Bürgermeister und Schuldezernent Murat Karakaya wird in der Stellungnahme mit den Worten zitiert: „Von diesen positiven Erfahrungen wollen wir lernen und für die Schulkinder unserer Stadt profitieren.“

Organisation, Auswahl und Recht auf individuelle Assistenz

Die Stadt stellt klar, dass durch die Einführung von Klassenassistenzen der Anspruch, bei Bedarf zusätzlich eine individuelle Teilhabeassistenz zu beantragen, nicht entfällt. Die konkrete Umsetzung soll in einer Pilotphase an zwei Schulen geprüft werden. Bei positiven Ergebnissen ist eine schrittweise Ausweitung auf alle Rüsselsheimer Schulen vorgesehen. Der geplante Starttermin für das Pilotprojekt ist das Schuljahr 2026/27.

Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe erarbeitet derzeit Details zur Umsetzung. Dazu gehört die Erstellung eines Anforderungsprofils, in dem festgelegt werden soll, welche Personengruppen für die Tätigkeit der Klassenassistenzen infrage kommen. Vorgesehen sind demnach nicht ausschließlich pädagogische Fachkräfte, sondern auch Personen mit geeigneter pädagogischer Haltung, Erfahrung und Kompetenzen. Die Auswahl soll in enger Abstimmung mit Trägern und Schulen erfolgen.

Kostenfrage und Evaluation

Zu den in dem Zeitungsartikel geäußerten Kostendarstellungen verweist die Stadt auf den Jahresbericht der Eingliederungshilfe 2022 bis 2024. Die zugehörige Drucksache ist öffentlich einsehbar und wird in der Stellungnahme über das Ratsinformationssystem genannt. Die Stadt weist darauf hin, dass mögliche Kosteneffekte ein positiver Nebeneffekt, aber nicht das Hauptanliegen des Pilotprojekts seien. Ob die erwarteten Verbesserungen eintreten, soll im Verlauf der Pilotphase wissenschaftlich oder administrativ geprüft werden.

Der Hinweis auf die Drucksache lautet: Drucksache DS 835 21 bis 26, einsehbar im Ratsinformationssystem unter https://rim.ekom21.de/ruesselsheim/vorgang/?__=UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZU59rBUPB-5gm-tUznSEqC4

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