Dienstag, 04.08.2026

Wiesbaden setzt ECMO Team ein, um Reanimationen vor Ort zu beginnen

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Wiesbaden und die Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken starten ein Pilotprojekt, mit dem in ausgewählten Fällen eine extrakorporale Herz und Lungenunterstützung bereits am Einsatzort begonnen werden soll. Ab dem 1. August wird ein spezialisiertes ECMO Team parallel zum Rettungsdienst alarmiert. Ziel ist, die Zeit bis zum Therapiebeginn zu verkürzen und so die Überlebenschancen sowie die neurologische Erholung von Patienten nach Kreislaufstillstand zu verbessern.

Wie das Verfahren vor Ort funktioniert

Bei einem Kreislaufstillstand kann eine ECMO die Funktionen von Herz und Lunge vorübergehend ersetzen. Dabei wird Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff versorgt und in den Kreislauf zurückgeführt, sodass Gehirn und andere Organe weiter versorgt bleiben, während die Ursache des Stillstands behandelt wird. Wird die ECMO während einer laufenden Wiederbelebung angeschlossen, sprechen Fachleute von einer extrakorporalen kardiopulmonalen Reanimation, kurz eCPR. Studien deuten darauf hin, dass der Zeitpunkt des Therapiebeginns einen entscheidenden Einfluss auf Überleben und neurologische Erholung hat.

Einsatzablauf und Auswahl der Fälle

Über die Einleitung einer eCPR entscheidet das ECMO Team der Helios HSK anhand vordefinierter medizinischer Kriterien. In die Bewertung fließen etwa die vermutete Ursache des Kreislaufstillstands, das Alter der Patientinnen und Patienten, die Zeit bis zum Beginn der Wiederbelebung sowie die Erfolgsaussichten der Behandlung ein. Das Team besteht aus erfahrenen Intensivmedizinern und fährt mit einem speziell ausgestatteten Einsatzfahrzeug zum Patienten.

Während der Pilotphase wird das Team werktags tagsüber über die Zentrale Leitstelle Wiesbaden parallel zum Rettungsdienst alarmiert. Die Arbeit am Einsatzort erfolgt in enger Abstimmung mit den Einsatzkräften des Rettungsdienstes. Nicht jede Reanimation kommt für das Verfahren in Frage; die Auswahl soll helfen, Nutzen und Risiken abzuwiegen.

Wissenschaftliche Begleitung und Ziele

Die Stadt Wiesbaden und die Helios HSK haben das Projekt gemeinsam entwickelt. Die Pilotphase wird wissenschaftlich begleitet und kontinuierlich ausgewertet, um belastbare Erkenntnisse über die praktische Umsetzbarkeit und den klinischen Nutzen zu gewinnen. Nach Ansicht des Medizinischen Geschäftsführers der Helios HSK, Prof. Dr. Heinrich Groesdonk, sollen die gewonnenen Erfahrungen dazu beitragen, die Notfallversorgung über Wiesbaden hinaus weiterzuentwickeln.

Der Ärztliche Leiter des Rettungsdiensts in Wiesbaden, Marc Dieroff, betont, dass es vor allem um Zeitgewinn geht. Mit der präklinischen eCPR solle ausgewählten Patientinnen und Patienten eine zusätzliche Chance auf Überleben mit guter neurologischer Erholung eröffnet werden und zugleich geprüft werden, wie sich ein solches Konzept sicher in den öffentlichen Rettungsdienst integrieren lässt. Oberbürgermeister Gert Uwe Mende bezeichnet das Projekt als einen weiteren Schritt zur Weiterentwicklung der Notfallversorgung in der Stadt.

Dr. med. Moritz Unglaube, Klinikdirektor für Intensivmedizin und Intermediate Care, verweist auf das hohe technische und personelle Niveau der ECMO Therapie und auf das Potenzial, das in der engen Zusammenarbeit von Klinik und Rettungsdienst liegt. Die Pilotphase soll zeigen, welchen Beitrag das Konzept künftig zur Notfallversorgung leisten kann.

Der Einsatz ist zunächst zeitlich und organisatorisch begrenzt. Erkenntnisse der Pilotphase sollen entscheiden, ob und wie das Angebot später ausgeweitet werden kann.

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